Ortschronik
Erste Urkundliche Erwähnung

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Gründung einer Abtei im Bezirk Elsenzgau in der Grafschaft Simmisheim durch Johannes, Oberhaupt der Kirche von Speyer,
im Jahre 1100 während der Regierungszeit Kaiser Heinrich's III. und vieler Würdenträger, die von mir wesentlich aufgeführt sind

Steinsfurt im Wandel der Zeit
von Hans Appenzeller

im 8./9. Jahrhundert. Vermutlich hat sich der Flecken „Stainvort" aus der Urmark Sinsheim gebildet. Erste urkundliche Erwähnung findet Steinsfurt in der Stiftungsurkunde vom 06. Januar 1100, worin Bischof Johannes von Speyer dem Benediktinerkloster auf dem Michaelsberg in Sinsheim größere Zuwendungen an Ländereien macht, darunter auch den „Flecken Stainvort".

Frühgeschichte
Bild unten: Pflasterzahn-Echse, gefunden 1915 Pflasterzahn_Echse.jpg (9616 Byte)
Funde aus der Frühzeit geben Hinweise auf eine frühe Besiedlung unseres Dorfes. Der älteste Nachweis menschlichen Lebens konnte 1937/38 beim Bau der „Giebelsiedlung" erbracht werden, als ein Grab mit gut erhaltenem Skelett freigelegt wurde, welches vermutlich aus der La Tenè-Zeit (450 v. Chr.) stammt. 1959 fand man beim Bau eines Wohnhauses auf dem Lochberg (Ertz) ein fränkisches Grab aus der Zeit etwa 3. Jahrhundert n. Chr.

Bei der Freilegung von Resten eines römischen Gutshofes im Gewann „Hägele" (1953) konnten Scherben aus der jüngeren Steinzeit (3000 v. Chr. bis 1800 v. Chr.) sichergestellt werden. Römer, Kelten und Alemannen haben hier Spuren hinterlassen. Viele römische Funde schließen auf eine größere römische Siedlung um Steinsfurt. 1778 fand man auf dem alten Friedhof (im Bereich der heutigen Kochschule) einen Viergötterstein. Unter der Leitung von Dekan Wilhelmi, Sinsheim, konnte 1834 im Gewann „Dörntelsberg" auf Steinsfurter Gemarkung, eine römische „Villa rustica" ausgegraben werden. Beim Bau der Raiffeisenkasse in der Keltergasse im Dezember 1959, wurde eine Jupiter-Giganten-Säule gefunden. Vom Bagger total zerstört, wurde diese in vorbildlicher Arbeit des Landesmuseums Karlsruhe restauriert. Sie stellt unter den Exponaten des Landesmuseums in Karlsruhe wegen ihrer Schönheit eine Einmaligkeit dar. Fachleute sprechen von der schönsten Jupitersäule nördlich der Alpen. Bei Renovierungsarbeiten am Stiftsturm in Sinsheim (1935) entdeckte man im Fundament eingemauert, einen Viergötterstein. Man vermutet seine Herkunft aus der Römersiedlung am „Dörntelsberg", die möglicherweise mit dem Ort „Saliobensis" identisch ist.

Besiedlung
Die Siedlungsentwicklung in Steinsfurt war durch den Verlauf der Elsenz vorgegeben. Kirche, Friedhof, Pfarrhaus, Schule und einige Häuser waren im Bereich der unteren Goldbach, Rathaus, Kelter und einige Höfe in der Keltergasse/Pfohlhof angesiedelt. Um die „Furt" über die Elsenz gruppierten sich die „Stiftsmühle" und die Gasthöfe „Ochsen" und „Krone". Die Hauptstrasse von Heilbronn nach Heidelberg führte von Kirchardt kommend den Wald an „der Steige" herunter durch das Insental über den Klebersberg bis zum Gasthaus Krone, dann rechts ab über den Kirchberg an Rohrbach vorbei in Richtung Stift Sunnisheim nach Sinsheim. Im Insengrund erinnern Flurnamen „Heilbronner Brücke" und „Alte Heilbronner Landstraße" heute noch daran. Auf dem Kirchberg ist in einem alten Güterverzeichnis die Lage eines Weinberges mit „an die Landstraße stoßend" bezeichnet.

Die Elsenzbrücke früher
elzenzbrueckeklein.jpg (8395 Byte)Der Friedhof bei der alten Kirche in der Goldbach wurde bereits 1571 geschlossen und ein anderer außerhalb des Dorfes angelegt und zwar an der heutigen Alten Friedhofstrasse, wo heute die Kochschule steht. Der heutige Friedhof wurde 1842 angelegt.

Eine Bebauung entlang der Hauptstrasse (Steinsfurter Strasse), begann erst nach dem Bau der Brücke über die Elsenz beim Reisbrunnen (1785).

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Ortsherrschaft
Die Oberhoheit des Dorfes lag beim Bischof in Worms. Dieser vergab Teile des Dorfes an einige in unserer Gegend ansässigen Edelleute. So belehnte zum Beispiel Bischof Theoderich im Jahre 1360 Heinrich von Nuwenhus (Neuhaus) und seinen Sohn Johann mit dem vierten Teil des Dorfes „das so heizzet Steinfort". Albrecht von Nuwenhus bekennt in seinem Reversbrief vom Jahre 1406, daß er an dem Dorf zu Steinfort bei Sinsheim ein Fünftel zu Lehen trage. Im Jahre 1419 verkaufte Wyprecht von Neuenhaus dem Abt Apelo von Finsterloch und dem Konvent des Klosters Sunisheim seinen Anteil an Steinsfurt.

Durch Kauf und Tausch kam das Kloster Sinsheim in den Alleinbesitz der Vogtei (Herrschaft) über das Dorf Steinsfurt. Kaiser Ludwig (der Baier) übertrug 1334 die Patronatsrechte der Pfarrkirche zu Steinsfurt dem Abt des Klosters in Sinsheim. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts bis 1803 unterstand Steinsfurt dem Kloster und späteren Stift Sinsheim. Die Oberhoheit stand ab 1335 Kurpfalz zu. Von 1803 bis 1806 gehörte Steinsfurt mit dem Amtskeller Hilsbach zum Fürstentum Leiningen, danach kam es zum Großherzogtum Baden. Heute gehört Steinsfurt als Stadtteil der Großen Kreisstadt Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis zum Land Baden-Württemberg.

Kirchliche Verhältnisse
Kurfürst Friedrich III. führte im Jahre 1565 im Stift Sinsheim die Reformation ein, damit war auch für Steinsfurt das reformierte Bekenntnis bindend. In den folgenden Jahren waren in Steinsfurt drei Konfessionen: Reformierte, Lutheraner, Katholiken.

Katholische Kirche:
katholischkirche.jpg (6222 Byte)Die erste Kirche in vorreformatorischer Zeit stand in der unteren Goldbach. Diese wurde durch Kriegs- und Witterungseinflüsse baufällig. Unter Federführung des reformierten Pfarrers Clemens Hirzel entstand auf dem Platz, wo heute die katholische Kirche steht in den Jahren 1662/63 eine neue Kirche. Sie wurde von allen drei Konfessionen genutzt.

Bei der Teilung des Kirchenvermögens in der Kurpfalz (1705-1707) wurde diese Kirche den Katholiken zugesprochen. Durch private Vereinbarungen konnten die Reformierten und Lutheraner die Kirche weiterhin mitbenutzen. In den Jahren 1769/70 bauten die Reformierten eine eigene Kirche (alte evangelische Kirche - heute Snakbar).

Die Lutheraner bauten eine neue Kirche im Jahre 1767 an der Ecke Pfohlstrasse/Keltergasse. Nach der Vereinigung der Reformierten und Lutheraner im Jahre 1821 zur Evangelischen Landeskirche, gab es nur noch eine Evangelische Gemeinde. Die lutherische Kirche wurde abgebrochen. Die heutige evangelische Kirche wurde 1936/37 erbaut.

Die Katholiken haben ihre Kirche 1802 wegen Baufälligkeit abgebrochen und an gleicher Stelle die heutige Kirche errichtet (1803/1804).

Jüdische Gemeinde
Nach dem 30jährigen Krieg waren es nur wenige Juden, die hier ansässig waren. Erst nach 1755 entwickelte sich eine größere jüdische Gemeinde. Die jüdischen Mitbürger hatten sich stets am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Gemeinde beteiligt. Ihren Betsaal hatte die jüdische Gemeinde in der Lerchenneststrasse im Hause des Leopold Weil (heutiges Sparkassengebäude). Die Synagoge in der Dickwaldstrasse wurde 1893 errichtet. Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft im Dritten Reich zwang die jüdischen Mitbürger zur Auswanderung. Der letzte jüdische Bürger wanderte im Februar 1940 aus.

Schulen
Bis zur Einführung der Gemischten Volksschule im Jahre 1876 wurden die Kinder getrennt in Konfessionsschulen unterrichtet. 1774 waren drei Schulen in Steinsfurt, sie standen jeweils neben den Kirchen.

Alte Schule
alteschule.jpg (9385 Byte)Nach der Kirchenunion (1821) wurde die lutherische Schule aufgelöst und mit der reformierten vereinigt. Die neue evangelische Schule wurde 1837 von der Gemeinde gebaut, den Katholiken verblieb ihre Schule neben der Kirche. Die heutige Grund- und Hauptschule wurde in den Jahren 1962 bis 1966 auf dem Giebel errichtet. Eine großzügige Erweiterung und Umgestaltung erfuhr die Schule im Jahre 1998.

Alter Kath. Kindergarten

ZeichnungKindergarten.jpg (7411 Byte)Kindergarten
Zwei Kindergärten schaffen die Voraussetzungen, daß jedes Kind ab drei Jahren einen Kindergartenplatz beanspruchen kann.

Der Kindergarten in der Alten Friedhofstrasse wird von der Evangelischen Kirchengemeinde geführt, der 1998/99 durch die Stadt Sinsheim im Neubaugebiet „Zwischen den Hölzern" errichtete Kindergarten wird von der Katholischen Gemeinde geführt.

Wirtschaftliche Entwicklung
Die Bevölkerung von Steinsfurt lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft. Durch die übliche Realteilung, aber auch durch den Stiftsbesitz, der in kleine und kleinste Parzellen geteilt und verpachtet war, gab es hier nur kleine landwirtschaftliche Betriebe, welche mehr schlecht als recht die Familien ernähren konnten. Mit zunehmender Bevölkerung in der Mitte des 19. Jahrhunderts und mehrerer Mißernten, verarmten viele Familien. Es blieb für viele Einwohner nur die Auswanderung nach Amerika, in der Hoffnung dort eine bessere Existenz zu finden. Allein im Jahre 1854 gingen viele Familien, insgesamt 226 Personen, nach Nordamerika.

Arbeiter im Steinbruch
Steinbruch.jpg (11497 Byte)Eine wirtschaftliche Besserung trat ein durch den Bau der Eisenbahnstrecke Meckesheim-Jagstfeld. Mehrere Steinbruchbetriebe auf hiesiger Gemarkung boten Arbeit für viele Männer, es waren zeitweilig bis zu hundert Männer, die dort Arbeit fanden. Auch der Wasserleitungsbau von Grombach nach Sinsheim verschaffte vielen Menschen Arbeit. Hier kamen schon die ersten „Gastarbeiter" aus Italien.

Zur Hebung der Lebensqualität im Ort trug die Einführung des Elektrischen Stromes (1907) durch Müllermeister Siegmann, sowie der Bau einer örtlichen Wasserleitung (1908) bei.

Der erste Weltkrieg hemmte eine weitere Aufwärtsentwicklung in unserem Dorf. Die Inflation, als Folge des verlorenen Krieges, brachte einen völligen Zusammenbruch der Wirtschaft. Die Steinbruchbetriebe und die im Ort ansässigen Zigarrenfabriken mußten schließen. Die Folge war eine große Arbeitslosigkeit. Bis zu 150 Menschen im Ort waren ohne Arbeit. Ähnlich war die Situation nach dem 2. Weltkrieg. Erst Ende der 50ger Jahre ging es wieder aufwärts.

Eine große Zahl von Heimatvertriebenen kam in unser Dorf und haben damit auch eine Veränderung in der Bevölkerungsstruktur gebracht.

Durch den Bau der Autobahn Walldorf - Weinsberg (erster Abschnitt wurde am 10 12. 1968 eingeweiht) erfuhr Steinsfurt eine Anbindung an die Industriezentren Mannheim und Heilbronn. Dadurch fanden viele Einwohner Arbeitsmöglichkeiten in den nahen Städten.

In den Gewannen „Dörntelsberg" und „In der Au" entstand für die wirtschaftliche und industrielle Weiterentwicklung ein ansehnliches Gewerbegebiet.

Erschließung von Baugelände
Nach der Währungsreform im Jahre 1948 entstanden Bauplätze auf dem Lochberg, Am Burgweg, am Giebel, Hinter den Gärten auf dem Hettenberg und am Stäupbühl. Damit wurden günstige Voraussetzungen zum Bau von Eigenheimen geschaffen.

Neuere Baugebiete entstanden „Zwischen den Hölzern" und bei der Autobahn die „Haydnstrasse". Mehr als 60 Bauplätze, in beiden Gebieten, bieten weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Flurbereinigung und Dorfentwicklung
Im Zuge der Industriealisierung haben viele Kleinlandwirte ihre Betriebe aufgegeben. Etwa neunzig Prozent aller früheren Betriebe sind eingegangen. Eine großzügige Neuordnung der landwirtschaftlich genutzten Grundstücke schuf die Voraussetzung für eine intensive Bewirtschaftung derselben. Nur noch wenige Vollerwerbslandwirte bewirtschaften heute die Feldgrundstücke.

Die im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens durchgeführte Dorfentwicklungsmaßnahme trug dazu bei, daß auch der alte Ortskern attraktiver wurde.

Vier Objekte seien hier angeführt:

1. Das LerchennestlerchennestKlein.jpg (2882 Byte)

Bei dem Anwesen handelt es sich um ein alt-fränkisches Kleinbauerngehöft. Es wurde in den Jahren 1973 bis 1975 mit Mitteln des Landesdenkmalamts, des Rhein-Neckar-Kreises und der Stadt Sinsheim renoviert. Mit dem Haus verbindet sich ein geschichtliches Ereignis. Hier übernachtete Friedrich der Große von Preußen als junger Kronprinz, wo er in der Nacht vom 4. Auf 5. August 1730 seinen bekannten Fluchtversuch unternommen hat ... In dem Anwesen befindet sich heute eine Gedenkstätte an Friedrich den Großen.

Informationsseite des Museums: www.Friedrich-der-Grosse-Museum.de
Internetseite des Fördervereins: www.Lerchennest-Museum.de

2. Die alte Kelter

altekelter.jpg (5355 Byte)Dieses Anwesen in der Keltergasse war seit urdenklichen Zeiten im Besitz des Stiftes Sinsheim und beherbergte die Stiftskelter. Die gegenüberliegenden Scheunen, die Zehnt- und Jaucherscheune, waren ebenfalls im Besitz des Stiftes. Nach Niedergang des Weinbaues in Steinsfurt und nach Ablösung des Zehnten, verlor sowohl die Stiftskelter als auch die Zehntscheunen ihre Bedeutung und wurden verkauft.

Die Stadt Sinsheim hat 1982 die Kelter erworben. Neben mehreren Wohnungen wurde noch ein Saal zur Nutzung durch verschiedene Vereine geschaffen.

3. Die Kaserne KaserneKlein.jpg (3509 Byte)   

Das imposante Fachwerkhaus in der Lerchenneststrasse 8 wurde durch private Initiative mit Unterstützung der Stadt, des Landes und der Denkmalbehörde vor dem völligen Ruin gerettet und bietet sich heute dem Betrachter als ein sehr schönes Fachwerkhaus dar.

 

4. Die Kochschule

kochschule.jpg (5225 Byte)Dieses Gebäude in der Alten Friedhofstrasse wurde in den Jahren 1923/25 von dem jüdischen Mitbürger Dr. Hermann Weil für die Gemeinde Steinsfurt als Koch- und Fortbildungsschule errichtet. Heute befinden sich in diesem Hause mehrere Wohnungen und ein Saal für das örtliche Deutsche Rote Kreuz.

Auch die Gestaltung des Ansbaches zu einer Grün- und Erholungsanlage, mit dem Ehrenmal für die Toten aller Kriege, trägt zur Bereicherung des Ortsbildes bei.

Gesellschaft und Kultur
kapelle.jpg (5044 Byte)Eine große Zahl von Vereinen, mit ihren vielfältigen Aktivitäten, bereichern das gesellschaftliche Leben in der Dorfgemeinschaft. Die Schindwaldhalle, sowie einige andere Säle im Ort, bieten gute Möglichkeiten für kulturelle Veranstaltungen. Die Konrad-Scheidel-Sportanlagen erlauben beste sportliche Aktivitäten.

Für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Dorfes über das Jubiläumsjahr 2000 hinaus sind alle Voraussetzungen gegeben.


Feuerwehrkapelle 1925