Die Flucht Friedrich des Großen als junger Prinz
(abgekürzte Geschichte in die heutige Zeit versetzt.) von W. Meier

Monolith.jpg (9899 Byte)An einem dunklen, kalten und sturmdurchtosenden Januartag 1712, es war der 24., erblickte Friedrich nach neun langen Monaten in Berlin das Licht der Welt. Seine Mutter hieß Sophie Dorothea und war die Frau eines hochwohlgeborenen Mannes mit dem Namen Friedrich Wilhelm. Er war ein Kapitalist heutiger Prägung. Jeder Diskussion aus dem Wege gehend, bestimmte aber der Großvater, der auch den Namen Friedrich trug, dem neugeborenen Enkel den gleichen Namen zu geben. Die Tradition des Hauses sollte gewahrt werden. Er dachte dabei an seine beruflichen Aktivitäten und als Unternehmer war er darauf bedacht, daß die unter diesem Namen hervorragend laufenden Geschäfte für seinen Sohn und seinen Enkel stabil weiterlaufen sollten. Die Eltern von dem neugeborenen Friedrich fügten sich angesichts des großen Reichtums, den sie erben würden und der sonst übliche Zoff blieb aus-. Im Folgejahr 1713 starb allerdings der Großvater Friedrich I. und der nachfolgende Sohn, Friedrich Wilhelm, übernahm die Geschäftsführung.

Der kleine Friedrich, von den Eltern „Fritz" gerufen, fiel nach ruhiger Kindheit erst wieder nach seinem Antritt in der „Penne" besonders auf. Anscheinend hatte er ordentlich Grips im Schädel, denn seine Pauker sprachen von ihm in den höchsten Tönen. Sein Alter war geschäftlich sehr beansprucht und so entschloß sich die Familie, den Hausdiener, der sich um den privaten Ablauf des Hauses kümmerte, als Aufsichtsperson für Fritz zu bestimmen. Schnell stellte sich heraus, daß dieser Kerl ein richtiger Kotzbrocken war. Er war allerdings nicht in der Lage Fritz in seinem Wesen stark zu beeinflussen.

So vergingen die Jahre mit einem sich in der Schule immer durch besondere Leistung hervorhebenden Fritz. In dieser Zeit, wo Terror mit u.a. der Entführung von Jugendlichen reicher Eltern Mode war, versuchte sein Vater dem vorzubeugen. und so brachte man Fritz schon frühzeitig den Umgang mit Schußwaffen bei. Es wurde ihm eine speziell kleine Pistole angefertigt, damit er sich verteidigen konnte. Wie in vielen anderen Familien, wo durch Arbeit und Reichtum Eltern die Kids aus den Augen verlieren, kam es insbesondere beim Vater zum ersten großen Knatsch. Die Mutter hielt zum Sohn (inzwischen hatte er einen modischen Kurzhaarschnitt). Vom Haus in der Provinz zog man nach Berlin in die Familienvilla und der Vater von diversen Ausgaben stark angeschlagen, ordnete äußerste Sparsamkeit in der Küche und in der Firma strenge Kostenkontrolle an. Die Luft, auch für Fritz, wurde langsam dünner.

Die übertriebenen Maßnahmen seines Vaters, die besondere Strenge im Lebensumgang, waren für Fritz ungewohnt. Als Sohn reicher Eltern wurde er trotziger und sein Ego wurde immer stärker. Dies wiederum bewirkte, daß sein Vater immer strenger wurde, und er seinen Sohn mißhandelte. Die Onkel, Tanten und Verwandten sahen diese Entwicklung mit Schrecken, da Fritz ja gerade mal 10 Lenze hinter sich hatte. Im Grunde hatte er ja seinen Alten recht gerne, und da er ihn wenig sah, schrieb er ihm immer wieder versöhnliche Briefe. Aber sein Vater, nach dem Motto „Wie der Vater so der Sohn", wollte Fritz nach seinem Muster formen. Entsprechend streng war die Hausordnung, die Fritz sehr einengte. Das Verhältnis Vater-Sohn wurde immer schlechter und Fritz wurde des öfteren von ihm als „Ekel", faulen unanständigen Halbstarken und hochmütigen Träumer beschimpft. Damit war für Fritz der Grundstein für eine Haß-Liebe zum Vater gelegt. Der Alte motzte immer weiter und Fritz begann, sich langsam vom Vater abzuwenden. Höhepunkt dieser Vater-Sohn-Beziehung war ein Vorfall, bei dem der noch junge Fritz heiraten sollte. Geschäftsinteressen bestimmten diesen Vorgang. Die Tochter eines ebenfalls reichen, einflußreichen Geschäftsmannes sollte als Braut dienen. Damit wären die Vorhaben von Vater Friedrich hervorragend gewahrt. Es klappte nicht, da sich Fritz mit aller Macht und Hilfe seiner Mutter erfolgreich dagegen stemmte.

Daraufhin entschloß sich Fritz, seinen Paukern noch größere Freude zu bereiten und kniete sich höllisch stark in die Lern-Lektüre. Aber sein Vater quälte ihn weiter. Es ging so weit, daß ein hoher Mitarbeiter der Firma des Vaters sich zu dem Ausspruch hinreißen ließ: „Wenn ich so einen Alten hätte, wäre ich schon längst in den Büschen verschwunden". Dies erfuhr auch Vater Friedrich und es kam in der Folge zu weiteren Demütigungen und sogar zu Schlägen gegen Fritz. Dieser wurde mit der Zeit hochmütiger und patziger und bei einem erzwungenen Spaziergang mit dem Vater ließ sich dieser zu der Bezeichnung „du Schlappschwanz" hinreisen. Obwohl Fritz daran dachte, die häusliche Bude zu verlassen, war er aufgrund seiner guten Erziehung noch nicht bereit, den letzten Schritt zu tun. Eines Tages kam eine Einladung eines Geschäftspartners an den Vater, nach Dresden zu kommen. Seine Eltern nahmen die Einladung an und Fritz mußte mitfahren. Er war inzwischen kurz vor seinem 16. Geburtstag. Auf der abendlichen Fete lernte Fritz eine Frau kennen, die wohl auch bei den Geschäftsleuten im Bett ein und aus ging. Diese erfahrene Frau umgarnte ihn und brachte Fritz zum ersten Sex-Abenteuer ins Bett. Am nächsten Tag war vereinbart, daß im Garten die Mitarbeiter der Firma dem Vater, vorgestellt werden sollten. Fritz sollte mit, wollte aber nicht. Sein Vater packte Fritz am Kragen, zog ihn in den Garten und warf ihn zum Entsetzen der Leute in den Schmutz. Diese Demütigung blieb Fritz im Unterbewußtsein haften. Das Wetter auf der Rückreise war schlecht und während dieser und anschließend in Potsdam im Elternhaus schlug ihn der Vater immer wieder ohne besonderen Grund. Dazu fing sich Fritz noch eine Tuberkulose ein. Die Gesundung zog sich hinaus und der Terror des Vaters ging weiter. Jetzt gewann ein Gedanke bei Fritz Oberhand, die „Flucht" aus dem Haus des Tyrannen. Er arbeitete mehrere Fluchtpläne aus, in einem wollte er sogar die Tochter eines ebenfalls reichen und machtvollen Geschäftspartners in England ehelichen. Doch er verwarf diesen Plan, da dieser am Ende noch seinem Vater helfen würde.

In dieser für Fritz unruhigen Zeit lernte er einen ebenfalls aus reicher Familie stammenden gleichaltrigen Jungen kennen, der den Namen Katte trug. Die Chemie zwischen den beiden stimmte und es entwickelte sich eine dicke Freundschaft. Katte galt als vollendeter Kavalier mit großer Sprachgewandtheit und konnte trefflich mit Farbe, Pinsel und Flöte umgehen. Fritz und Katte waren gute Kumpels und es gab unter Ihnen keine Geheimnisse. So erfuhr dieser auch von den Plänen der Flucht von Fritz. Katte wollte Fritz davon abbringen, aber der war fest entschlossen. Schlußendlich stimmte Katte zu. Kurze Zeit später mußte Katte zurück nach Berlin, um einiges zu erledigen. Von dieser Reise kam er vorerst nicht mehr zurück. Nun stellte sich heraus, daß Katte im Überschwang seiner Gefühle in anderen Kreisen seiner Bekanntschaften da und dort die Fluchtgedanken von Freund Fritz erzählte. Dies erfuhr auch der Vater von Fritz, nahm es allerdings nicht ernst und bezeichnete es als Jugendträumereien. Fritz besorgte sich vorsorglich in einem kleinen Jeans-Shop in Potsdam unauffällige Kleidung, damit er auf der Flucht nicht sofort als Sohn reicher Eltern, sondern als normaler Jugendlicher angesehen wurde. Dann schrieb er nochmals einen Brief an seinen Freund Katte, in dem er seinen Fluchtplan erläuterte und neue Anweisungen an ihn gab. Im Eifer der Gedanken vergaß er jedoch den Empfangsort „Berlin" anzugeben. So gelangte dieser Brief in die Hände von Kattes Vetter, der ihn vorerst zu sich nahm. Die Geschäftstätigkeit des Vaters war auf den Berliner-Raum begrenzt und eines Tages kam es zu einer Versammlung der Regionchefs bei der Holding in Mannheim. Es wurde gepackt und die ganze Familie setzte sich in Richtung Mannheim in Bewegung. Ein Stau zwang sie abends dazu, in Steinsfurt zu übernachten. Während der Reise hatte Fritz einen jungen Angestellten seines Vaters kennengelernt. Er trug den Namen Keith und Fritz verstand sich mit ihm sehr gut. Er erzählte ihm vertraulich von seinem Fluchtplan und bat ihn um seine Hilfe, da er es nicht alleine schaffen konnte.

In Steinsfurt angekommen, suchte der Vater mit seiner stattlichen Begleitung eine Übernachtungsmöglichkeit. Das anvisierte Gasthaus sagte ihm nicht zu und so entschloß er sich kurzerhand in einer nahegelegenen Scheune das Nachtlager aufzuschlagen. Als Reisebegleiter war auch einer seiner Prokuristen dabei mit dem Namen Rochow. Friedrich Wilhelm, doch etwas beunruhigt, gab Rochow den Auftrag, auf den aufmüpfigen Sohn Tag und Nacht ein Auge zu werfen. In Steinsfurt startete Fritz dann endgültig seinen Fluchtversuch. Vater schlief abseits in der Scheune und Fritz hatte abends zuvor den Angestellten Keith beauftragt, am nächsten Morgen um 4 Uhr, wenn alle noch schliefen, den zweiten Wagen vorzufahren, um dann sofort die Flucht anzutreten. Kurz vor 4 Uhr erhoben sich Keith und Fritz von ihrem Lager im Heu und zogen ihre üblichen Kleider an, Fritz einen roten Rock, den sein Vater nicht ausstehen konnte. Keith ging, um den Wagen zu holen und Fritz schlenderte zur Hauptstraße.

Rochow, der Schleimscheißer, war hellwach und beobachtete die beiden. Er schlich Fritz nach und sah, wie der sich ohne sichtbare Aufregung an eine Hausecke lehnte. Da kam Keith mit dem Wagen angefahren. Rochow ging auf Keith zu und fragte ihn, wohin er denn so früh wolle. Keith war vorbereitet und erklärte, daß er doch um 4 Uhr für die Abreise nach Mannheim vorfahren sollte. Rochow schöpfte keinen Argwohn und schickte Keith wieder zum Parkplatz zurück, da er sich wohl in der Zeit geirrt habe. Es sollte erst um 6 Uhr weitergehen. Fritz, in der roten Jacke, was Rochow zu einer bissigen Bemerkung hinreisen ließ, blieb von all dem unbehelligt und ging zurück in die Scheune, zog den roten Rock aber schnell aus, damit Sein Vater nicht unnötig ärgerlich wurde. Rochow war nichts aufgefallen und so wurde der Vorfall dem Chef verschwiegen. Die Fahrt nach Mannheim verlief zügig, nur Fritz, vom Fehlschlag enttäuscht, blieb im Wagen von Keith etwas zurück. Der Vater war längst in Mannheim und Fritz tauchte noch nicht auf. Dieser versuchte im Wagen weiter, Keith zu einer Flucht mit ihm zu überreden. Nachdem der Alte langsam ungeduldig wurde, schickte der Mannheimer Partner einen Angestellten los, um den Wagen zu suchen. Kurz darauf aber fuhr Keith mit Fritz am Geschäftssitz vor. Keith war sehr nervös und Friedrich Wilhelm nahm ihn zur Seite und fragte ihn streng, was den los sei. Da konnte Keith nicht mehr still sein und erzählte die ganze Fluchtgeschichte. Friedrich Wilhelm war einem Herzinfarkt nahe und sichtlich entsetzt. Gegenüber Fritz ließ er sich aber zunächst nichts anmerken. Er wollte seinen Geschäftspartner in Mannheim nicht beunruhigen. Nach Abschluß der Gespräche hatte Friedrich Wilhelm noch einen Besuch in Frankfurt wahrzunehmen. Auch dort hatte er Geschäftsfreunde. Dort angekommen wurde ihm plötzlich das Schreiben von dem Vetter von Katte vorgelegt, das Fritz ohne Angabe des Empfangsortes an Katte geschrieben hatte.

Nun war das Maß voll. Der Vater wurde von blinder Wut gepackt. Vor seinem Gastgeber in Frankfurt hatte er noch Rücksicht genommen. Auf dem nächsten Rastplatz nach der Abreise jedoch bekam Fritz die geballte Härte seines Alten zu spüren. Ohne Unterlaß schlug er auf Fritz ein und nur das Eingreifen eines weiteren Reisebegleiters namens Buddenbrok verhinderte schlimmeres. Fritz blutete stark und man brachte ihn vom Vater weg. Die Reise ging weiter und zur Abwechslung benutzte Friedrich Wilhelm einen Passagierdampfer der Köln-Düsseldorfer-Personenschiffahrt bis nach Bonn. Fritz, wieder auf dem Wege der Genesung, schrieb heimlich seinem Helfer Keith, der in Wesel war, sich unverzüglich abzusetzen. Der zögerte nicht lange und verschwand sofort. Fritz wußte, daß sein Alter nach Station in Wesel machen wollte und hatte damit Keith , obwohl dieser ihn verraten hatte, vor dem Zorn des Vaters gerettet.
Ab Köln wurden Fritz zwei Leibwächter zugeordnet, die ihn wie einen Verbrecher bewachen mußten. So ging es über Wesel auf die Rückreise nach Berlin. Unterwegs gab Friedrich Wilhelm ein Email nach Berlin, den Mitwisser Katte sofort festnehmen zu lassen. In Berlin angekommen, wurde Fritz unter strengen Hausarrest gestellt und weiter wie ein Verbrecher behandelt. Gleichzeitig rastete Friedrich Wilhelm vollkommen aus. Er schlug und trat seine schwangere Frau, was ihm tags darauf aber wieder leid tat. Dann ließ er sich Katte bringen. Er schlug und trat ihn und ließ ihn anschließend wieder ins Gefängnis schaffen.

Fritz wurde vom Hausarrest in eine Zweitwohnung seines Vaters gebracht und weiter unter Arrest gehalten. Der Vater bemühte seine Firmenanwälte, um in mehreren Verhören aus Fritz das Zugeständnis der Fluchtpläne zu pressen. Fritz jedoch gab so brillante Antworten, daß keinerlei Hinweise zur Flucht zu sehen waren. Die Wächter von Fritz waren bald dessen Charme und Freundlichkeit verfallen und ersetzten die schmale Kost durch feine Köstlichkeiten, aber auch Bücher und Schreibmaterial kamen zu Fritz.
1730 war dann die erste Gerichtsverhandlung angesetzt, bei der der Vater Untreue und Fluchtplan zur Anklage brachte. Das Gericht jedoch erklärte sich für nicht zuständig und gab den Vorgang an Friedrich Wilhelm zurück, als eine familiäre Angelegenheit. Im gleichen Verfahren gelang es dem Alten jedoch, Katte zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilen zu lassen. Grund war die Mitplanung der Flucht von Fritz, als eine Art Kidnapping bezeichnet.
Dieser wanderte ohne Anklage wieder in sein Familien-Gefängnis. Kurz darauf änderte Friedrich Wilhelm sein Verhalten und bestimmte, daß Katte getötet werden müßte, da er für Fritz eine dauernde Gefahr bedeute.

Am 6. November wurde Fritz von seinen Bewachern geweckt. Sie waren sehr bedrückt und hatten Tränen in den Augen. Sie erzählten Fritz, daß Katte nach Küstrin verschleppt und dort getötet worden war. Fritz fiel vor Schmerz in eine tiefe Ohnmacht.

So endete die Freundschaft zu Katte und so verschwanden auch die Gedanken an Flucht aus seinem Kopf.

Im Jahre 1740, mit 28 Jahren, wurde Fritz zum König gekrönt und später „Friedrich der Große" genannt.

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